Ein Besuch in der Natur-Werkstatt


Wanderung durch ein romantisches Naturparadies im Süden Nürnbergs

 


Alter Verladekran am Kanalhafen Worzeldorf

 

Informationen

Lage des Parkplatzes „Steinbrüchlein“: Ca. 500 m südlich der Ausfahrt Nürnberg-Zollhaus der A 73 Richtung Kornburg  (Wegweiser). Mit dem Bus 52 ab Langwasser Mitte, Haltestelle „Steinbrüchlein“.

Weg: Die ca. 12 km lange Wanderung verläuft fast nur im Wald, etwas auf und ab im Bereich der Steinbrüche, sonst meist eben. Gutes Schuhwerk ist erforderlich. – Ab dem nördlichen Ortsrand von Wendelstein (Beginn des Rückweges) heißt der Weg „Dr. Richard- Sauber-Weg“. Dort Informationstafel.

Einkehrmöglichkeiten: Gastwirtschaft „Steinbrüchlein“,  Worzeldorf, Wendelstein.

 

Wegbeschreibung

Vom P am „Steinbrüchlein“ mit Grünpunkt in westliche Richtung bis zum Ludwigskanal. (Alternative: Mit der Rotkreuzmarkierung, die am „Knauersberg“ den Grünpunktweg kreuzt, zum Ludwigskanal nach Worzeldorf – etwas kürzer). Am Kanal links (Blaustrich) und - immer auf dem Treidelweg - durch Worzeldorf und weiter nach Wendelstein. Dort bei dem den Kanal abriegelnden Damm (Infotafel) links (Wegweiser „Glascontainer“) in die Siedlung und aufwärts in den Wald. Beim Wasserhochbehälter links. Von hier führt Gelbstrich (!) bis zum Steinbrüchlein. Achtung: Missverständliche Markierung gleich nach dem Wasserbehälter. Hier rechts. Im Bereich der Steinbrüche immer auf dem breiteren „Hauptpfad“ bleiben! Die Straße kurz vor dem Steinbrüchlein mittels Unterführung queren!
 

 

 

 

 

 

 

 Die Wegskizze für diese Wanderung zum Ausdrucken können Sie bei mir per E-Mail kostenlos  anfordern.

 


Die Natur holt sich ihr Recht zurück -
ehemaliger Sandsteinbruch „Wernloch“  bei Wendelstein

 

Wissenswertes zum Weg

 

In einigen anderen „Ecken“ des Bistums hätte ich ein solches Naturparadies vielleicht erwartet: Eine romantische Landschaft mit kleinen Seen inmitten steiler Hänge und schroffer Felswände, ganz sich selbst überlassen und urwaldähnlich mit einer vielfältigen Flora überwuchert. Aber hier, im Süden von Nürnberg, inmitten eines Gewirrs von Autobahnen?

Ich befinde mich im „Wernloch“, in den ehemaligen Steinbrüchen nordwestlich von Wendelstein. Jahrhunderte lang wurde hier auf dem Bergrücken zwischen Wendelstein und Worzeldorf Stein abgebaut, hauptsächlich der „weiche“ rötliche Sandstein, ein ideales Baumaterial. Dafür herrschte in der mittelalterlichen Reichstadt Nürnberg und ihrer Umgebung durch viele Jahrhunderte ein schier unbegrenzter Bedarf -  für den Bau der Burg und der mächtigen Stadtmauer, für die Kirchen, die Häuser der reichen Bürger, die Schlösser der Patrizier im Umland.  Noch heute gibt dieser Stein der Stadt und den Orten im Umland ihr unverwechsel- bares Gesicht.

Hier wurde der Stein in mühsamer Handarbeit mit Hilfe primitiver Werkzeuge in großen Quadern aus der Wand gelöst, in kleinere Blöcke zerlegt, mit Hilfe von Holzkränen und auf Rollen aus dem Steinbruch geschafft und auf Fuhrwerken abtransportiert. Gepflasterte Strecken unseres Wanderweges zeugen noch heute von dessen früherer Funktion als Transportweg. Erst relativ spät kam ein neuer Transportweg dazu, der von 1836 bis 1846 erbaute „Ludwigskanal“, der unterhalb des Bergrückens vorbeiführt, auf dem die Brüche lagen. In den Häfen von Worzeldorf und Wendelstein wurden die Steine zum Weitertransport auf die Lastkähne verladen.

Im Lauf der Jahrhunderte hatte man nach und nach immer mehr Steinbrüche erschlossen. Die Stadt Nürnberg regelte den Abbau durch eine Bergordnung und – ab 1546 – durch die Ordnung des „Berggerichts“. Die „Gmeiner“ mussten sich die Rechte der Steinbruchnutzung erkaufen - für die Stadt eine sicher nicht unerhebliche Einnahmequelle. Welch großes Ausmaß der Steinabbau hatte, konnte ich erahnen, als ich das ehemalige Steinbruchgebiet durchwanderte; die Spuren des Steinabbaus – Halden und Löcher -  nahmen schier kein Ende. Als aber Beton den Sandstein als Baumaterial ablöste, hatte bald die letzte Stunde des Steinabbaus geschlagen. Die Brüche wurden aufgegeben, die Natur eroberte sich langsam ihr Terrain zurück und entwickelte sich zum Paradies.

Doch an einem Ort scheint die Zeit vollends stehen geblieben zu sein: Ganz nahe an der Autobahn und doch abgelegen und ruhig  liegt das „Staabrüchla“, ein Wirtshaus mitten im „Lorenzer Wald“. Schon 1302 wurde der Ort urkundlich als Steinbrechersiedlung erwähnt. Bis 1640 bestand sie aus einem einzigen Haus. Später kamen das Wirtshaus und Ställe für die Pferde dazu, welche die Fuhrwerke mit den schweren Sandsteinquadern aus den Brüchen zu ziehen hatten, deren Spuren auch hier deutlich erkennbar sind. In der urgemütlichen, mit anheimelndem Kerzenschimmer oder Licht aus dem Glühstrumpf erhellten holzgetäfelten Stube gibt’s fränkische Hausmannskost, im Sommer lädt ein schattiger Biergarten zwischen den alternden Gebäuden zum Verweilen und Nachdenken ein.

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