Wechselbad der Gefühle


Die früheren "Werkzeuge" der Ärzte erzeugen Hochachtung
und Schauer zugleich

 

Informationen

Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt, Anatomiestraße 18 – 20.
Geöffnet Di bis So 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Eintritt: Erwachsene € 3,00, ermäßigt. € 1,50, Kinder bis 15 Jahre frei.

Parkmöglichkeiten: 1. Von der Tiefgarage am Münster zum Kreuztor, von dort durch die Brunnhaus- und Neugasse, an ihrem Ende rechts zum Museum (5 Minuten). Vom Parkplatz am Hallenbad zum Taschentorturm und links zum Museum (3 Minuten).

 


Die barocke „Alte Anatomie“ der ehemaligen bayerischen
Landesuniversität Ingolstadt, heute Sitz des „Deutschen Medizinhistorischen Museums“

Das Gebäude entstand 1723-35 als kleines „wissenschaftliches Schloss“. Zusammen mit dem angrenzenden Heilpflanzengarten – bildete es ein repräsentatives Unterrichtsensemble.

 

Wissenswertes

 

So manchem Besucher des „Deutschen Medizinhistorischen Museums“ im Gebäude der Alten Anatomie in Ingolstadt wird ein Schauer über den Rücken laufen, wenn er die medizinischen Geräte früherer Jahrhunderte betrachtet. Denn heute kommen sie uns wie Folterwerkzeuge vor: Aderlassmesser und Schröpfeisen der Bader, Zahnzangen und Zahnhebel, Amputationssägen, Bohrer zur Trepanation von Schädelverletzungen, Brenneisen zum Ausbrennen der Wunden, allerlei Werkzeuge zur „zerstückelnden Operation des Kindes bei unüberwindlichem Geburtshindernis“, Skelette oder gar die beiden „anatomischen Totalpräparate“ menschlicher Körper, die an die Plastinationen in Gunther von Hagens´ Ausstellung „Körperwelten“ erinnern. Beim Präparieren hat man die Blutgefäße und Herzhohlräume mit Wachs bzw. gefestigtem Leinöl ausgefüllt, die Gewebe mit Alkohol fixiert und mit Knochenleim imprägniert und die Blutgefäße mit Erdfarben angemalt - lebensechtes Anschauungsmaterial für die Ingolstädter Medizinstudenten.

Die Medizinische Fakultät der Universität Ingolstadt hatte sich in den Jahren 1723 – 36 ein kleines wissenschaftliches Schloss errichtet, das mit seinem Medizinalpflanzengarten ein repräsentatives Unterrichtsensemble bildete. Seit 1973 dient es als Museum, das einmalig ist in Deutschland und einen anschaulichen Einblick in die Entwicklung der Medizin bietet. Dabei steht natürlich die Rolle der medizinischen Forschung und Lehre im Vordergrund. Sie trug wesentlich dazu bei, dass sich die Entwicklung vom Handwerk der Barbiere und Wundärzte zur modernen, nach wissenschaftlichen Kriterien arbeitenden Medizin vollziehen konnte und sich ärztliche Spezialdisziplinen herausbildeten, z. B. die Chirurgie, die Zahnmedizin, die Augenheilkunde, die Gynäkologie.

Vielfältig waren die Anschauungsmittel, die für den Unterricht zur Verfügung standen. Besondere Schätze des Museums sind ein Original des 1523 gedruckten Heilpflanzenkompendiums von Leonhard Fuchs, der in Ingolstadt lehrte und ein Schaukasten mit Glasaugen von 1824. Das erste Ophthalmometer zur Messung der Hornhautkrümmung, frühe Mikroskope, Brutschränke aus dem Labor von Robert Koch und eine Nachbildung der ersten künstlichen Niere zur Dialyse sind Zeugnisse der technischen Entwicklung in der Medizin.

Dass Ingolstadt bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Sitz einer medizinischen Fakultät war, hat wohl die Schriftstellerin Mary Shelley 1818 veranlasst, die Stadt zum Schauplatz des berühmten Gruselromans „Frankenstein“ zu wählen. Ihr Titelheld studiert in Ingolstadt Medizin. Hier verfällt er dem Wahn, künstliches Leben erschaffen zu wollen, hier erweckt er seine „Kreatur“ zum Leben. - Jetzt will die Stadt den Gruselklassiker als Touristenmagneten nutzen; sie hat den Namen „Frankenstein“ schützen lassen, und sogar ein Frankenstein-Musical soll es demnächst geben.

 

 
Foto: Deutsches Medizinhistorisches Museum

Blickfänger im ehemaligen repräsentativen Lehrsaal der ehemaligen „Alten Anatomie“ der Universität Ingolstadt - heute Teil des Deutschen Medizinhistorischen Museums - sind zweifellos die beiden „anatomischen Totalpräparate“ menschlicher Körper aus dem 19. Jahrhundert, einst Anschauungsmaterial für den Unterricht der Medizinstudenten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Solche Werkzeuge für Operationen und Amputationen rufen heute Schaudern hervor.

 


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