Wenn Grabsteine erzählen


Auf den Spuren jüdischer Vergangenheit an der Westgrenze des Bistums Eichstätt

 


Judenfriedhof Steinhart mit 99 Grabsteinen
 

Informationen

Beginn am (christlichen) Friedhof in Steinhart, einem Ortsteil der Gemeinde Hainsfarth, ca. 6 km östlich von Oettingen/Ries. Anfahrt über die Burgstraße. Der jüdische Friedhof liegt weiter oberhalb, gegenüber der Burgruine (Wegweiser).

Weg: Länge ca. 10 km. Höhenunterschied insgesamt ca. 100 m. Gutes Schuhwerk ist erforderlich (z. T. unbefestigte Wege).

Die Synagoge in Hainsfarth ist normalerweise geschlossen. Schlüssel im benachbarten Metzgerei-Fachgeschäft Wittig.

Einkehrmöglichkeit in Hainsfarth

Wegbeschreibung

Vom (christlichen) Friedhof in Steinhart aufwärts zur Burg und zum jüdischen Friedhof (Wegweiser). - Zurück und unterhalb des Friedhofs mit der Jakobsmuschel links, nach 50 m rechts abwärts, unten links. Fahrstraße überqueren und bald halblinks aufwärts. Oben links, bei einer Siloanlage rechts. Ca. 300 m nach Wornfeld links(!) am Waldrand entlang, nach 500 m oben im Wald mit [13] rechts. Am Rand von Hainsfarth bei der Kapelle rechts. Durch den Ort zur Kirche. Kurz davor auf der Jurastraße rechts zur Synagoge. - Weiter ortsauswärts. Auf der Jurastraße links ansteigen (rechts unterhalb liegt der Judenfriedhof). Oben bei einem Feldkreuz rechts. Am Kreuzhof rechts vorbei und beim hohen Kreuz die Teerstraße schräg links überqueren. Auf dem Feldweg immer gerade, nur einmal kurz rechts und gleich wieder links. Bald abwärts nach Steinhart (Blickverbindung). Im Ort auf der Schützenstraße und Burgstraße zum P.

Die Wegskizze für diese Wanderung zum Ausdrucken können Sie bei mir per E-Mail kostenlos  anfordern.

 


Judenfriedhof in Hainsfarth mit 272 Grabsteinen

 

Wissenswertes

 

“Geht zu seinen Toren ein mit Dank, in seine Vorhöfe mit Lobgesang! Dankt ihm, preist seinen Namen – im Jahr 5619 seit Erschaffung der Welt“ (= 1859/60). Diese Worte des Psalms 100 in hebräischer Sprache im Blendbogenfeld über dem Eingang der mächtigen ehemaligen Synagoge in Hainsfarth zeugen noch heute davon, dass hier einst eine große jüdische Gemeinde das Lob Jahwes verkündete. Um 1800 war fast jeder zweite der 800 Einwohner jüdischen Glaubens, 1864 waren von1366 Einwohnern 532 Juden. Ein Grund dafür, dass sich hier so viele Juden niederließen - man nannte Hainsfarth sogar das „Judendorf“ - war die liberale Ansiedlungspolitik der Fürsten von Oettingen-Spielberg, in deren Besitz der Ort bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war. Das Fürstenhaus gewährte den Juden Schutz, dafür hatten sie ihrerseits Schutzgeld zu bezahlen. Sie lebten vornehmlich vom Viehhandel, im frühen 19. Jh. verstärkt auch vom Textil- und Gemischtwarenhandel.

Bereits vor dem 30jährigen Krieg gab es hier ein „Freihaus“ für die Zusammenkünfte der Juden, seit 1722 eine Synagoge. 1860 wurde der heutige Bau eingeweiht, der im damals modernen maurischen Stil ausgestaltet wurde.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten zahlreiche Hainsfarther Juden nach Amerika und, ab 1861, in größere Orte aus; so ging ihre Zahl schnell zurück. Um 1900 lebten noch etwa 200 Juden im Ort, 1930 waren es noch 40. Im November 1938 wurde die Synagoge geplündert und verwüstet; ab 1942 wurden die wenigen noch am Ort gebliebenen Juden deportiert. Nach 1945 kehrte kein einziger zurück.

Die Gemeinde Hainsfarth, seit 1977 Eigentümerin des Gebäudes, betrieb ab 1983 die Renovierung, die 1996 abgeschlossen wurde. Heute dient das Gebäude als Begegnungsstätte und Raum für kulturelle Veranstaltungen. Außer der Synagoge erinnern auch noch die ehemalige Judenschule daneben und der 1850 angelegte große, ummauerte Judenfriedhof am östlichen Ortsausgang an die Hainsfarther Juden. Mit 272 zum Teil reich verzierten, hohen Grabsteinen sieht er aus wie ein kleiner Wald aus Steinen.

Nur 4 km östlich liegt im Hahnenkamm der kleine Hainsfarther Ortsteil Steinhart. Auch hier gab es von etwa 1550 bis zu ihrer Auflösung 1883 eine jüdische Gemeinde. Um 1800 waren mehr als 40 Prozent der Dorfbewohner Juden. Auch sie hatten eine Synagoge, eine Volksschule und einen Friedhof. Dieser liegt oberhalb des Ortes auf dem Gelände einer abgegangenen Burg der „Späten von Steinhart“ aus dem 12. Jahrhundert. Heute heißt der mit Wald bewachsene, vom tiefen Burggraben umgebene und deshalb schwer zugängliche ehemalige Burghügel, auf dem der Friedhof liegt, im Volksmund „Judenbuck“. Noch 99 Grabsteine sind erhalten. Gegenüber, etwas höher, liegen die eindrucksvollen Reste der „Nachfolgeburg“. Ein weiter Blick auf Dorf und Landschaft lohnt die Mühe des kurzen Aufstiegs hier herauf.


Portal der Synagoge Hainsfarth

 

 


Synagoge Hainsfarth


Inneres der Synagoge


Steinhart im Hahnenkamm

Burgruine Steinhart

 

Unsere Rundwanderung, die man in Steinhart beginnen sollte, ist auch landschaftlich sehr lohnend. Auf dem Weg nach Hainsfarth bieten sich immer wieder großartige Ausblicke auf das Ries und besonders die Stadt Oettingen, auf dem Rückweg auf das Wörnitztal und den Hesselberg.

 

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