Letzt Ruhestätte für Internierte


Wanderung zum Russischen Friedhof südlich von Weißenburg

 


Die Gedenk-Stele von Günter Lang (1995)

 

Informationen

 

Parken: P Seeweiher. Von dort auf der Hagenaustraße Richtung Süden an den Schulen vorbei zum Ausgangspunkt am Beginn der Straße Am Volkammersbach.

Weglänge: Ca. 7 km - Höheunterschied zur Wülzburg ca. 200 m. Für den Mittelteil (Abstieg) ist unbedingt gutes Schuhwerk erforderlich.

Direkter Fußweg zum Russischen Friedhof: Auf der Straße Am Volkammersbach (s.o.) stadtauswärts, B2 unterqueren und in der Allee beim Wegweiser rechts aufwärts zum Friedhof.

Einkehrmöglichkeiten in Weißenburg

 

Wegbeschreibung

Mit [2] in die Straße Am Volkammersbach (s.o), bald links in die Ferdinand-von-Wissel-Straße. Auf dem gegenüber liegenden Gehsteig der querenden Eichstätter Straße rechts zur Ampelkreuzung (Einkaufszentrum). Hier auf der Fußgängerbrücke über die B2 und mit [1] entlang der Allee, später im Wald (Stufen) hinauf zur Wülzburg. Mit [MD] abwärts ins Dorf  Wülzburg und vorbei am ehemaligen Festungsfriedhof. An der Einmündung  in die querende Straße rechts. Die Straße Weißenburg – Oberhochstatt überqueren und mit [MD] zweimal(!) rechts auf einen Waldweg, später Pfad. Nach einem Gedenkstein steil abwärts. Unten mit [5] weiter, die B13 überqueren und nah am Waldrand und an Weihern vorbei abwärts. Mit [5] in der  kurz unterbrochenen Allee bleiben. Ca. 300 m vor der Fußgängerunterführung (B2) links zum Russischen Friedhof (Wegweiser). - Zum Parkplatz auf der Allee weiter. Achtung: Nach der Unterführung kurz links.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Wegskizze für diese Wanderung zum Ausdrucken können Sie bei mir per E-Mail kostenlos  anfordern.

 


Die russischen Kreuze neben dem ehemaligen "Fallhaus"
markieren den Eingang zum Russischen Friedhof

 

Wissenswertes

 

Drei weiße russische Kreuze markieren neben dem ehemaligen „Fallhaus“ den Eingang zum „Russischen Friedhof“ im Süden von Weißenburg. Drei halbkreisförmige Grabreihen mit ca. 40 kleinen, schlichten Holzkreuzen und Namenstäfelchen erinnern an die Toten, die hier ihre letzte Ruhe fanden: Insassen eines Internierungslagers auf der nahen Wülzburg. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurden dort bis 1945 zivile sowjetische Staatsbürger inhaftiert, die in Deutschland vom Kriegsausbruch überrascht wurden. Wer die menschenunwürdigen Haftbedingungen nicht überlebte, wurde hier, im ehemaligen städtischen „Fallgarten“, bestattet. Durch mehrere Jahrhunderte hatte man auf diesem weitläufigen Gelände verendete Tiere verscharrt. Jetzt war es gut genug für die „Entsorgung“ der Toten von der Wülzburg…



 

Lang blieb diese Stätte nach dem Krieg mehr oder weniger vergessen und verwilderte. Der angekündigte Besuch von ehemaligen Internierte veranlasste 1989 die Stadt Weißenburg, sie zu einer würdigen Anlage umzugestalten.

1995 wurde eine eindrucksvolle dreieckige Gedenkstele des Eichstätter Bildhauers Günter Lang aus Jurastein aufgestellt, angeregt vom damaligen Pfarrer Dr. Andreas Thiermeyer und finanziert mit Hilfe einer großzügigen Spende der Katholischen Kirchengemeinde. Glasarbeiten, die in die drei Seiten der Säule eingefügt sind - Davidsstern, Kreuz mit Fisch und Halbmond – symbolisieren die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, denen die hier Bestatteten angehörten.

Ein stählerner Ring umschließt die Säule und verweist auf das, was sie verband: „Ich glaube an den einen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ lautet die Inschrift im Ring.

 

 

 

 

 

Einen eigenen Gedenkstein hat die Stadt Weißenburg hier 1994 dem auf der Wülzburg internierten, 1894 geborenen Prager Komponisten und Klaviervirtuosen Erwin Schulhoff errichtet, der sowjetischer Staatsbürger war. Er starb 1942 auf der Festung an Typhus und ist im Fallgarten begraben.


 


Gedenkstein für den Prager Komponisten Erwin Schulhoff

 

 

Es liegt nahe, den Besuch des Friedhofs mit einer Wanderung auf die Wülzburg zu verbinden.  Schon seit dem 11. Jahrhundert befand sich auf der mit 630 m höchsten Bergkuppe der südlichen Frankenalb ein Benediktinerkloster. In der Reformationszeit wurde es in ein Kollegiatsstift umgewandelt und bald darauf aufgelöst. Ab 1588 baute Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach zur militärischen Sicherung seines Territoriums gegen die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Herrschaftsgebiete der Freien Reichsstadt Weißenburg, des Bistums Eichstätt, des Deutschen Ordens in Ellingen und der Herrschaft Pappenheim die Festung. 1806 wurde sie bayerisch, 1882 an die Stadt Weißenburg verkauft. Zeitweilig diente sie als Kriegsgefangenen- und Flüchtlingslager. Berühmtester Häftling war 1918 Charles de Gaulle. Heute beherbergt der Schlossbau eine Internatsschule für soziale Frauenberufe. Ein Rundweg mit hervorragenden Informationstafeln führt auf die Bastionen und in den Festungshof und vermittelt einen guten Eindruck von diesem einzigartigen Denkmal des Renaissance-Festungsbaus in Deutschland

 


 


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