Bei Grammophon und Co


Das Musikapparatemuseum im historischen Rossturm an der Beilngrieser Stadtmauer

 

 

 

Informationen

Das Musikapparatemuseum Beilngries befindet sich im historischen Rossturm an der Südwestecke der Straße „Innerer Graben“. Parkmöglichkeiten an der Ringstraße.

Besichtigung mit Führung an jedem Sonntag um 14 und 15 Uhr. Einlass für Gruppen ab 8 Personen bei Anmeldung unter Tel. 08461- 60 15 30 auch außerhalb dieser Zeiten. - Der Eintritt ist frei.

Bitte beachten: Bedingt durch die historische Bauweise sind die drei Etagen des Museums nur über steile Treppen zugänglich.


Rossturm

 


Grammophon

 

Wissenswertes

 

Im Wirtshaus „ Zum Goldenen Löwen“ herrscht heute, an einem Wintertag des Jahres 1887, großer Andrang. Der Grund: In der Gaststube steht seit gestern ein geheimnisvoller hölzerner Kasten. Unter den Augen der neugierigen Gäste steckt der Wirt in den kleinen Schlitz an der Seite des unbekannten Möbelstücks einen Groschen, und schon beginnt sich zum Staunen aller die durchlöcherte Metallscheibe hinter der gläsernen Schranktür zu drehen und es erklingt Musik, so echt, als musizierte im Kasten ein ganzes Orchester. - Für die Menschen von damals war das wohl ein kleines Wunder, hatte man doch nur zwei Möglichkeiten, wenn man Musik hören wollte: Man musste entweder selbst musizieren oder eben dorthin gehen, wo gerade Musik gemacht wurde. Und jetzt machte plötzlich ein Automat das Musikhören zu jeder Zeit, an jedem Ort möglich!

Einen hoch interessanten Einblick in die Entwicklung und Vielfalt solcher mechanischen Musikautomaten von 1780 bis 1920 vermittelt das kleine, aber feine „Musikapparatemuseum“ im historischen Rossturm in Beilngries. Von Sammlern aus ganz Deutschland wurden dem „Kulturhistorischen Verein Beilngries – Kinding“ dafür Originalgeräte zur Verfügung gestellt: alte Drehorgeln, kleine und große Spieldosen mannigfaltigster Form und Bauart, Phonographen, Grammophone.

 


Spieldose Kalliope

Momod Freres Zylinderspieldose

Libellion

Polyphon

 


Chordephon

 

So verschieden wie das Aussehen der Geräte ist die Technik der Tonerzeugung, und selbstverständlich erklingen auf ihnen bei der Führung auch originale Musikstücke. Der Zuhörer kann nur staunen über die Klangqualität und Klangfülle, aber auch über die Klangvielfalt. So ertönen im Ariston, einer Tischdrehorgel von 1850, nicht nur zwei Flötenregister, sondern auch Bassposaunen, Trompeten und sogar ein Glockenspiel. Zu den absoluten Raritäten gehört ein Libellion, in dem sich ein als „Buch“ gefalteter Lochstreifen beim Drehen selbst „umblättert“ und damit erstmals praktisch „Endlosmusik“ ermöglicht. Die große Zylinderspieldose der Firma Memod Freres mit 4 auswechselbaren Zylindern, jeder mehr als 20000 Stahlnadeln bestückt, ist ein Exemplar der zweitgrößten in Serie gebauten Zylinderspieldosen der Welt. Im Chordephon bringen die Stifte der Walze gar die Saiten einer Zither“ zum Klingen.

Die kunsthandwerklich hochwertig gestalteten Klangkörper der Automaten sorgen dafür, dass auch die Augen auf ihre Kosten kommen. So gilt z. B. die Spieluhr Mikado von Polyphon als die schönste je gebaute Spieluhr. Der „Renner“ an Weihnachten war Ende des 19. Jahrhunderts ein spielender Christbaumständer, eine Spieldose, in der sich beim Abspielen der Weihnachtslieder der geschmückte Christbaum drehte.


Spielender Christbaumständer

 

Zur Sammlung gehören Hunderte von „Tonträgern“. Da die Spieldauer der anfänglich verwendeten hölzernen oder metallenen Stiftwalzen von deren Umfang abhing und deshalb begrenzt war, erfand man bald die Möglichkeit, sie seitlich zu verstellen. Dadurch konnte man mehrere Musikstücke auf einer Walze unterbringen. Noch mehr Platz boten ab etwa 1885 große Blechplatten mit eingesetzten Stiften, Lochplatten aus Metall oder Karton und Lochstreifen. Da ihre Herstellung wesentlich billiger war, trugen sie entscheidend zur Verbreitung der Musikautomaten bei.

Ihre Blütezeit erlebte die Spieldose von 1880 bis 1890. Danach wurde sie rasch vom Grammophon abgelöst, für das Emil Berliner 1887 mit der Schallplatte ein vollkommen neues und billigeres Aufzeichnungsverfahren erfunden hatte, das erst von der CD abgelöst wurde.

 

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