Der Karlsgraben", eine Technik-Ruine mit Flair 

 

Rundwanderweg um die "Fossa Carolina", das Wasserbauprojekt Karls des Großen vor mehr als 1200 Jahren


 

Informationen

Treuchtlingen liegt ca. 8 km südlich von Weißenburg. Parken an der Stadthalle.

Weg: 16 km. Markierung: Blau-gelbes Schild des Naturparks Altmühltal mit der Nr. 6. Richtungspfeile beachten! Vier kurze Anstiege.

Einkehrmöglichkeiten  in allen Orten am Weg.

Ausstellung „Fossa Carolina“ in Graben Ende April bis Mitte Oktober täglich außer Dienstag 13–17 Uhr geöffnet. Gruppen nach Anmeldung jederzeit (Tel. 09142/8617). Eintritt € 1,50, ermäßigt € 1.--

 

Weg: Von der Stadthalle flussaufwärts, rechts über die Straßenbrücke, an der Therme links in die Kästleinsmühlstraße, am Kurpark entlang. Kurz nach der Straßenteilung rechts aufwärts, am Waldrand links. Bei der Abzweigung nach der Kriegsgräberstätte links abwärts nach Graben, dort rechts zum Karlsgraben. Entlang der Bahnlinie zum Brunnen an der Wasserscheide und links hinüber zur Straße Graben-Grönhard. Auf ihr rechts, nach 100 m links und, immer geradeaus, auf den Bubenheimer Berg. Am Aussichtspunkt noch ein Stück geradeaus, dann links abwärts nach Bubenheim. Auf der Ortsstraße rechts, am Ortsende links nach Wettelsheim, Mit der Markierung durch den Ort (Wehrstraße, An der Rohrach, Friedhofsweg) und hinauf zum Waldrand. Dort links und vorbei an den Kellern bis zum Naturfreundehaus. Hier auf der Straße abwärts, gegenüber Haus Nr. 36 wieder aufwärts (Treppenstuifen), zweimal über eine Straße, weiter zur Burgruine und abwärts in die Stadt.
 

 

 

Wissenswertes zum Weg

„Als er (König Karl der Große) überzeugt worden war von Leuten, die sich für zuständig hielten, man könne bequem von der Donau in den Rhein gelangen, wenn man zwischen Rednitz und Altmühl einen schiffbaren Graben zöge, …begab er sich sogleich mit seinem ganzen Gefolge an Ort und Stelle, warb eine große Zahl von Arbeitern an und verblieb den ganzen Herbst bei diesem Unternehmen. So wurde dann der Graben zwischen den genannten Flüssen in einer Länge von 2000 Schrittspannen (gut 3 km) und einer Breite von 300 Fuß (etwa 100 m) gezogen. Doch vergebens: Wegen anhaltender Regengüsse und der von Natur aus sumpfigen und feuchten Bodenbeschaffenheit konnte das, was geschaffen wurde, keinen Bestand haben. Was die Werksleute tagsüber an Erde aushoben, das fiel des Nachts wieder zusammen, indem das Erdreich an seinen Platz zurückrutschte. Dieweil er sich mit diesem Werk befasste, erreichten ihn zwei üble Botschaften, einmal von einem völligen Abfall der Sachsen, zum anderen von einem Überfall der Sarazenen… Durch diese Nachricht bewogen, kehrte er nach Franken zurück…“. 

So übersetzt  von W.E. Keller in seiner neuen Broschüre „Karlsgraben – Fossa Carolina“ den Bericht  der „Lorscher Annalen“ vom Kanalbau Karls des Großen im Herbst des Jahres 793, der die beiden Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander verbinden sollte. Da es damals bei uns nur die wenigen Altstraßen der Kelten bzw. Römer gab, waren die Flüsse wichtige Verkehrswege, auch wenn sie nur mit kleinen Kähnen befahren werden konnten. Der Bau des Karlsgrabens war also ein Projekt von hervorgehobener  Bedeutung.

Dafür wählten die Planer des Königs die für die  damaligen verkehrstechnischen Größenordungen günstigste Stelle: Beim Dorf Graben nördlich von Treuchtlingen kommen sich die beiden Flusssysteme von Donau und Rhein so nahe  wie nirgendwo sonst. Nur zwei Kilometer sind es hier von der Schwäbischen Rezat – sie fließt dem Main zu – zur Altmühl, die in die Donau mündet. Die „Europäische Talwasserscheide“ dazwischen hat lediglich einen Höhenunterschied von 12 Metern. Noch heute beeindrucken die Reste des „Kanals“ am nördlichen Dorfrand: Links und rechts des bis zu 5 Meter tief mit Wasser gefüllten „Karlsgrabens“ türmen sich 1300 m lange, teilweise über 6 Meter hohe Wälle auf, die sich nach etwa 500 Metern nur ganz allmählich im Gelände verlieren, aber bis zuletzt eine Sohlenbreite von 30 Metern erkennen lassen.

Außer den Jahrbüchern des Klosters Lorsch berichten auch spätere Quellen von Karls Kanalbau. Doch je weiter sie sich zeitlich vom Ereignis entfernen, desto mehr sind sie mit Details ausgeschmückt und werden deshalb heute von den Forschern sehr kritisch beurteilt. So bleiben viele Fragen um die „Fossa Carolina“ ungeklärt oder umstritten: Sollte der Höhenunterschied in einem einzigen Durchstich, also ohne Stufen, überwunden werden oder in einer Weiherkette, bei der die Kähne auf Rutschen jeweils auf die nächste Höhe gezogen wurden?  Führten wirklich ausgiebige Regenfälle zum Abbruch des Unternehmens oder waren es nur die - heute nachgewiesenen - ungünstigen geologischen Verhältnisse? Wie wurden die Tausende von Bauarbeitern versorgt? Warum fand man bisher keinerlei Spuren von Werkzeugen, Nahrungsmitteln und Versorgungswegen, warum keine Überreste von den sicher zahlreichen Toten, die der Kanalbau forderte? Wurde der Kanal tatsächlich auch verwendet und wie lange? Wurde schon vor Karl daran gebaut und stellte in dieser nur fertig? Oder ist er gar ein Werk der Römer, die damit die Obere Schambach zur Wasserversorgung in ihre große und „wasserhungrige“ Stadt Weißenburg umleiteten?  Mit all diesen Fragen beschäftigt sich eine sehr sehenswerte Dauerausstellung in Graben, deren Besuch die Besichtigung der Fossa Carolina sinnvoll ergänzt.

 

 

 

 


Wettelsheim


Brunnen an der Wasserscheide
 
Unsere Wanderung führt auf einem aussichtsreichen Rundweg aber auch zu anderen Sehenswürdigkeiten: zu dem von der Rohrach durchflossenen Wettelsheim, einem fränkisches Bilderbuchdorf; zum Schöpfbrunnen an der Wasserscheide, der sein Wasser auf der einen Seite in Richtung Nordsee schickt, auf der anderen zum Schwarzen Meer; zur Kirche in Graben mit ihren Fresken aus den Jahren 1430/50; zur stattlichen Burgruine Treuchtlingen und nicht zuletzt zur stimmungsvollen Kriegsgräberstätte am Hang des Nagelberges, wo rund 3000 gefallene Soldaten und zivile Opfer des 2. Weltkrieges bestattet sind, darunter die 300 Toten des Bombenangriffes auf den Treuchtlinger Bahnhof am 23.02.1945.
 

Fresken in der Kirche in Graben

Kriegsgräberstätte auf dem Nagelberg

 

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