Ein Schauplatz der Geschichte


Auf den Spuren des Bauernkrieges am Fuß des Hahnenkamms bei Ostheim

 


Die  ev. Kirche St. Michael in Ostheim mit wertvollen Fresken im Chorraum. Auch Grabmale der Renaissance - darunter auch Werke von Loy Hering - schmücken die Kirche

Ausgangspunkt: Westheim an der B 466 zwischen Öttingen und Gunzenhausen, ca. 7 km nördlich von Öttingen.

Weg: 10 km. Geringe Steigungen. Fast kein Schatten!

Einkehrmöglichkeiten in Westheim, Ostheim und ggf. Anhausen.

Wegbeschreibung

An der Bushaltestelle in Westheim in die Straße „Oberdorf“. Nach dem Ortsende auf dem Hauptweg bleibend (nicht mit Blaustrich rechts!) bis zum Beginn einer Heckenreihe. An ihr links entlang, an ihrem Ende links zu zwei Schuppen und zwischen ihnen hindurch zu einem Aussichtspunkt (Infotafel) und weiter nach Ostheim. Bei der Kirche links, Richtung Nördlingen (= B 466), am Ortsende rechts auf den Turtelberg. Oben  kurz rechts (=nördlich) abwärts, dann links auf den Feldweg parallel zur Straße. An einem Schuppen nahe Geilsheim links auf den Radweg Ries 5 (auch Blaustrich). Einen Weiher in einem Bogen umgehend durch den Wald nach Westheim.

Alternative über Auhausen (5 km länger: Bis Ostheim und über den Turtelberg siehe oben! Dann aber am Schuppen nahe Geilsheim rechts, am Trafohaus am Ortsrand links (Straße), in der Kurve am Ende des Gefälles (gegenüber kleine Steinbrücke) links, nach 120 m rechts auf den Weg parallel zur Straße. Kurz vor dem Bahndamm links, am Weiher rechts nach Auhausen zur Klosterkirche. - Durch den Friedhof, geradeaus zur Hauptstraße, auf ihr rechts. Beim Wegweiser Westheim links (Unterführung). Nach dem Ortsende rechts, Richtung Wachfeld, nach 600 m links. Geradeaus bis Westheim.

 

Wissenswertes zum Weg

 

7. Mai 1525. Schauplatz: Der „Geilbuck“ südlich des Dorfes Ostheim am Fuß des Hahnenkamms, unterhalb des Rechenbergs gelegen. Tausende von  Bauern aus dem Ries und vom Hesselberg haben sich – wie an zahlreichen anderen Orten in Süddeutschland und Thüringen - zum Aufstand gegen ihre Herren zusammengerottet. Auch die ehemals freien Wehrbauern der fränkischen Königsmark um Geilsheim, Westheim und Ostheim vereinigen sich mit ihnen. Auch sie fordern Schutz vor Willkür, Wiederherstellung der dörflichen Selbstverwaltung und – auf dem Hintergrund der sich ausbreitenden Reformation – religiöse Freiheiten. Am Tag zuvor haben sie das nahe Kloster Auhausen geplündert, und nun ziehen sie zwischen Westheim und Ostheim in Richtung Heidenheim, um im dortigen Kloster das gleiche zu tun. Aber hier am Geilbuck treten ihrem ungeordneten Haufen unverhofft die berittenen Söldner des Markgrafen Kasimir von Ansbach entgegen. Es entbrennt ein langes und blutiges Hauen und Stechen, in dem die Bauern unterliegen. Mehr als 3000 ergeben sich, über 1000 kommen ums Leben, andere können in die Wälder fliehen. Die verlorene Schlacht bedeutet das Ende des Bauernaufstandes im Ries.

23. August 1986. Schauplatz: Das Dorf Ostheim. Es tobt ein heftiges Gewitter. Ein Blitz schlägt in die um 1310 erbaute Chorturmkirche ein und setzt das Dach in Flammen. Der Dachstuhl und das Turmgebälk brechen zusammen, die Orgel und die Empore brennen, die vier Glocken schmelzen. Wie durch ein Wunder hält das Gewölbe des Chors den herabstürzenden Erzklumpen stand. Aber das Löschwasser hat den Taubenkot, der sich im Turm angesammelt hatte, aufgeweicht und  sickert nun durch das Gewölbe in die wertvollen Fresken des Chors aus dem 14./15. Jahrhundert ein. Fast drei Jahre dauern die Arbeiten am Wiederaufbau der Kirche und die langwierigen Renovierungsarbeiten an den Fresken.

Heute sind auch die Spuren dieses zweiten Unglücks in der Geschichte von Ostheim beseitigt. Die Fresken in ihren leuchtenden Farben sind wieder das Kleinod der Kirche, das weit und breit seinesgleichen sucht. In den Feldern des Gewölbes sind die großen Glaubensverkünder des frühen Christentums dargestellt: Die Symbole der 4 Evangelisten, die zwölf  Apostel und - als Hauptgestalten, in Größe und künstlerischer Ausgestaltung dominierend – die großen abendländischen Kirchenlehrer Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Papst Gregor. Am inneren Chorbogen thront Christus als Weltenrichter, am Chorbogen mahnen die klugen und törichten Jungfrauen den Betrachter zur Wachsamkeit.

Zahlreiche Epitaphien der Herren von Rechenberg im Renaissancestil, darunter auch Werke
Loy Herings und anderer Eichstätter Bildhauer, schmücken die Wände des Chors und Chorbogens. Die Burg dieses Adelsgeschlechtes lag östlich des Ortes am Hang des heutigen, nach ihnen benannten Rechenbergs. 1583 starben sie aus. Ihr Besitz, darunter Ostheim, kam an die Ansbacher Markgrafen, die Burg wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Eine kleines Kuriosum: Im 19. Jahrhundert diente die Ruine einem Wilderer als Unterschlupf, dem man in dem unwegsamen Gelände nur schwer beikommen konnte. Nach seinem Tod demolierten die Ostheimer die Burg vollends – und das nur, um so etwas in Zukunft zu verhindern.

 


Der Stier – Symbol des Evangelisten Lukas



Epitaph mit Auferstehung Christi (Loy Hering)


Fresken im Chorraum: Kirchenlehrer Ambrosius, Apostel Paulus und     
Symbol des Evangelisten Lukas


Epitaph mit Kreuzigung, eingerahmt von Wappen (Loy Hering)

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